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Über uns
"Gott möge mir die Gabe verleihen, stets wie berauscht die unermeßliche Musik der Dinge zu hören und sie anderen hörbar zu machen."
Mit diesem Zitat von dem Theologen und Philosophen Teilhard de Chardin beginnt Vilma Mönckeberg in ihrem Buch "Das Märchen und unsere Welt" das Kapitel über die Erzähler und Erzählerinnen ihrer Zeit. Und mit ihr, Vilma Mönckeberg, sollte unser Bericht an dieser Stelle auch beginnen, wenn wir auf die Anfänge einer "Märchenarbeit" hier in unserer Stadt zurückschauen und unseren Werdegang als "Märchenforum Hamburg" bedenken. Von Wien kommend , hatte sie nach dem ersten Weltkrieg an der Hamburger Universität das Lektorat für Sprecherziehung übernommen und im Rahmen dieser Arbeit auch das Volksmärchen als "gesprochene Dichtung" entdeckt. Und so übte sie sich zunehmend in eigener Erzählkunst und auch darin, diese anderen dafür aufgeschlossenen Menschen zu vermitteln.
Während das Wiederentdecken und Sammeln von Volksmärchen im 19. Jahrhundert eher ausschließlich zur Folge hatte, daß diese gedruckt und gelesen werden konnten, wurde das Erzählen dieser Geschichten zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder lebendig. So wanderte zum Beispiel die "Märlibas" Lisa Tetzner mit ihrem Rucksack von Ort zu Ort, um die Kinder zu locken und zu begeistern, und ganz gewiß nicht nur die Kinder! Die schwierige Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg mochte die Gemüter der Menschen dafür besonders aufgeschlossen und "hungrig" gemacht haben. In etwa derselben Zeit begann durch Vilma Mönckeberg, wenn auch ein wenig auf andere Art und Weise, die Freude am Zuhören und Lauschen, und es gibt noch heute Menschen hier in Hamburg, die erzählen, wie sie möglichst keine von Vilmas Erzählveranstaltungen ausgelassen haben!
Eine ihrer Schülerinnen ist Felicitas Betz, die ebenfalls, zusammen mit ihrem Mann, dem Religionswissenschaftler Otto Betz, sich dem Erschließen von Märchen und ihren vielfältigen Seelen-Bildern widmete. Sie war sowohl Erzählerin als auch Begründerin eines Freundeskreises, der sich vornehmlich mit einer von ihr entwickelten meditativen Form des "Einübens in schauendes Denken" auseinandersetzte. Sie lebt inzwischen in Süddeutschland, aber einige von unseren Erzählerinnen heute erinnern sich noch gut an ihre unvergeßliche Art, sich die Märchen erst einmal selber so zu eröffnen, bevor sie weitererzählt werden, und die durch sie eine besondere Art der Inspiration empfangen durften .
Eher ganz im Stillen, hat zu derselben Zeit in Hamburg und seiner norddeutschen Umgebung eine Erzählerin gewirkt , die an dieser Stelle nicht vergessen sein soll: Charlotte Rougemont, die sich in Kriegs- und Nachkriegszeit das Erzählen von Märchen zu einer Lebensaufgabe gemacht hat. Wer ihre Lebenserinnerungen liest, der gewinnt einen Eindruck von der Erfahrung, wie tief die Sprache der Märchen großen und kleinen Menschen Seele und Herz zu berühren vermag.
Und so hat es hier in der Folge immer auch weiterhin Erzähler und Erzählerinnen gegeben, die in diesem Auftrag tätig waren. Seit 1956 gab es bereits die Europäische Märchengesellschaft, die sich die Ausbildung von Erzählern zur Aufgabe gemacht hat. Hier geht es zuallererst um die Förderung der alten Tradition des mündlichen Erzählens , aber auch allgemein um die Pflege der Volksmärchen. Standen am Anfang noch die Märchen der Brüder Grimm im Vordergrund, so hat sich im Laufe der Jahre der Blick auf die Volksmärchen aller Länder und Kulturen gerichtet. Das ist zu begrüßen, denn gerade die Sicht auf das alle Menschen miteinander Verbindende ist in unserer Zeit zunehmend von Bedeutung .
Dieser EMG hat sich im Jahre 1994 eine Gruppe von Hamburger Märchenfreunden aus dem Kreis um die Erzählerin Micaela Sauber als " Märchenforum Hamburg" angeschlossen. Unser Verein bietet Märchenerzählabende zu verschiedensten Inhalten und Themen, märchenkundliche Seminare und Vorträge, aber auch vereinzelt Seminare zum Märchenerzählen selbst . Märchenerzählen in einer Großstadt wie Hamburg heißt: an vielen Orten so etwas wie Inseln schaffen, die zum Zuhören, zum Innehalten, zum Nachsinnen und zum inneren oder gemeinsamen Gespräch einladen. Suchen und finden Sie diese Orte: Kulturhäuser, Museen, Gemeinden, draußen in der Natur, etc, unser Programm wird Sie informieren und leiten.
"Die Ursprünge der Märchen liegen im Dunkel"
sagt Max Lüthi – Märchen sind uralt, aber niemals veraltet. Sie sind voller Weisheit und Wahrheit, und sie entfremden uns nicht von der Wirklichkeit, sondern sie können auf ihre Weise Antworten auf wesentliche Fragen geben, die uns Menschen immer wieder bewegen. Jedes Volk hat seine eigenen Märchen und Geschichten, und in der Tiefe sprechen sie alle dieselbe Sprache, die von uns intuitiv verstanden werden kann.
Daß diese Tiefe in uns, in einer Zeit der Massenmedien und der damit verbundenen Entfremdung vom Wesentlichen des Menschen, nicht allzusehr verschüttet wird und als lebendiger Teil unseres persönlichen Lebens erhalten bleiben möge, dafür möchten wir alle - Erzählerinnen und Erzähler des Märchenforums - uns "mit Leib und Seele" einsetzen!
